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St. Goarshausen

 

Der kleine Weinbauort liegt inmitten idyllischer Weinberge und wurde 1324 zur Stadt erhoben. Zu ihm gehören die Stadtteile Ehrenthal, Heide und Wellmich, außerdem ist St. Goarshausen Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde »Loreley«, die aus 17 Gemeinden besteht.

Während Kelten bereits 500 v. Chr. die Rheinhöhen besiedelten, wie den Hühnerberg und das Loreleytplateau, entstanden die ersten Behausungen im Rheintal an der Stelle des heutigen St. Goarshausen im Rheintal wohl erst, nachdem sich gegenüber im 6. Jahrhundert der aquitanische Mönch Goar niedergelassen hatte. Die Rechte über die Gemarkung St. Goarshausen mit der noch unbedeutenden Ansiedlung wurden von dem Erzstift Trier als Lehen vergeben und gelangten wohl schon im 12. Jahrhundert an die Herren von Isenburg. Urkundlich tritt St. Goarshausen erstmals, wenn auch ohne Namensgebung, in einer Notiz aus dem Jahre 1222 in Erscheinung. Von der ursprünglichen Ummauerung der Stadt blieben nur zwei Türme erhalten. Um etwa 1302 bevölkerten weit weniger als 200 Einwohner St. Goarshausen. Fischfang und Weinbau waren ihre Lebensgrundlagen, da auf dem schmalen Rheinuferstreifen kaum Landwirtschaft betrieben werden konnte und sich gegenüber der starken Konkurrenz der Residenzstadt St. Goar auch kein bedeutender Handwerkstand entwickeln konnte.
Hervorzuheben ist nur der einträgliche Salmfang an den »Waag« oder »Woog« genannten Fangplätzen.


Das älteste, schriftliche Zeugnis hierüber ist ein Pachtvertrag eines St. Goarshäuser Bürgers vom 26. Mai 1387. Die Fische waren von solcher Qualität, dass sie sogar im Ausland Absatz fanden. Um 1800 waren noch 44 Salmfischer tätig, doch die zunehmende Rheinschifffahrt verurteilte auch diesen Berufsstand zum Aussterben. Die letzten Salme wurden vor dem zweiten Weltkrieg gefangen.

Obwohl St. Goarshausen im Jahre 1324 zur Stadt ernannt wurde, war vom städtischen Leben auch weiterhin keine Spur. Häufig wurde die Stadt nur als »beschlossener Fleck« bezeichnet, wie 1587, als es 39 Familien mit etwa 210 Einwohner zählte. 1635, während des Dreißigjährigen Krieges, starben 178 der rund 220 Einwohner an der Pest. Selbst 1798 zählte man erst 411 Einwohner in 88 Häusern. Trotzdem wurde St. Goarshausen 1816 auch amtlich zur Stadt und zum Amtssitz im neugegründeten Herzogtum Nassau erklärt.

Dem Eisenbahnbau 1859 bis 1862 mußten im Obertal 16 Wohnhäuser geopfert werden, doch entwickelte sich ein neues Geschäftsviertel rund um den Bahnhof. Doch nicht nur das Aussehen St. Goarshausens änderte sich. Die Fischer- und Winzergemeinde wandelte sich zum Fremdenverkehrsort mit der Loreley als Hauptanziehungspunkt und zum Verwaltungszentrum.

Sehenswert sind auch die katholische Kirche, in der sich ein Altargemälde aus der Schule von Lukas Cranach befindet und die Burg »Katz« (ehemals Neu-Katzenelnbogen) aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurde als Stützpunkt der kurhessischen Grafschaft Katzenelnbogen erbaut, aber 1804 zerstört und erst 1898 wieder aufgebaut. Heute wird sie als Ferienheim genutzt und ist nicht zu besichtigen.

In unmittelbarer Reichweite liegt auch der Loreley-Felsen, der 132 m hoch über dem Rhein aufragt. Die Rheinenge ist hier nur 113 m breit und 25 m tief und die »Hungersteine« oder »Sieben Jungfrauen«, die unmittelbar unter der Wasseroberfläche liegen, haben schon so manchem Schiffer das Leben gekostet.
Berühmt wurde der Felsen durch die Sage von der schönen Loreley, die die Schiffer mit ihrem Gesang betörte, so dass sie die »Hungersteine« übersahen und ihre Schiffe daran zerschellten. Das durch Friedrich Silcher vertonte Gedicht Heinrich Heines ist weltbekannt.



Der Name »Loreley« setzt sich aus Fels (Ley) der Lure (Fee) zusammen; außerdem sagt man, dass hier auch der Schatz der Nibelungen versteckt sein soll.

Auf der »Loreley« gibt es Freilichtbühne, Feier- und Gaststätte und eine Aussichtsterrasse. Ein siebenfaches Echo kann man am Südhang hören.

Im Stadtteil Wellmich steht die auch als »Thurnburg« oder »Deurenburg« bezeichnete »Burg Maus«, die 1363 von Erzbischof Kuno von Falkenstein erbaut wurde.

Der Erzbischof starb 1388 in ihren Mauern. Den Namen »Maus« erhielt die Burg aber erst später als Spottnamen von den Grafen von Katzenelnbogen, die die benachbarte Burg »Katz« bewohnten. 1806 wurde »Burg Maus« zum Abbruch verkauft, 1902 aber wieder neu aufgebaut.
 Weiterhin gibt es noch die alte St.-Martins-Kirche zu besichtigen, in der der Grabstein des 1538 verstorbenen Ritters Coryn von Nassau zu finden ist.

In den Stadtteilen von St. Goarshausen bestehen verschiedene Bademöglichkeiten (Hallenbäder).

 

Das Flussbett wird immer enger, kurz vor St. Goarshausen liegt mit 130 Meter die engste Stelle. Dort ragt der berühmte und viel besungene Loreley-Felsen 120 Meter hoch über den Strom. Wenn die Schiffer der vergangenen Jahrhunderte die Loreley passiert hatten, konnten sie aufatmen, hatten sie doch ihre Fracht glücklich und unbeschadet an den gefährlichen Klippen im Fluss vorbei manövriert. Kein Wunder, dass sich allerlei Sagen um den gefährlichen Ort rankten. Erst Clemes Brentano aber personifizierte den Namen des Berges in Gestalt der verführerischen Zauberin, gab ihr aber einen anderen Wohnsitz, nämlich Bacharach. »Zu Bacharach am Rheine/Wohnt’ eine Zauberin,/Sie war so schön und feine/Und riß viel Herzen hin./Und brachte viel zu Schanden/Der Männer ringsumher,/Aus ihren Liebesbanden/War keine Rettung mehr.« heißt es in der Ballade aus seinem ersten Roman »Godwi oder das steinerne Bild der Mutter« von 1802. Vom Bischof geladen und ins Kloster geschickt, stürzt sie sich vom Felsen in den Strom. Heinrich Heine gab dann 1824 dem Mythos die Form, die dank Silchers Vertonung ein Volkslied wurde und sich jeden Tag aus ungezählten Schiffslautsprechern am Felsen bricht. Vielleicht ist es gut, dass der Bau der Eisenbahn das einst berühmte Echo hier zerstört hat. Manchmal hat man den Eindruck, jeder Japaner beherrsche die Verse im Schlaf. Eigentlich unnötig, sie noch einmal abzudrucken, aber sie gehören eben unzweifelhaft hierher:

Heinrich Heine (1797-1856)
Lore-Lei

Ich weiß nicht was soll es bedeuten
Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar;
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Es schaut nur hinauf in die Höh’.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Lei getan.


Zahllose Neufassungen und Parodien gibt es, von Karl Valentin über Erich Kästner bis zur famosen »Toreloreliese« von Cornelis Buddingh, und auch die bildende Kunst arbeitete sich breitest am Thema ab. Die Nationalsozialisten errichteten hier einen Thingplatz und die bis heute genutzte Freilichtbühne. Inzwischen locken harmlosere Dinge. Die berühmten Rock-Events, aber auch das Besucherzentrum mit seiner Multi-Media-Schau und einer gut sortierten Buchhandlung, ein Hotel, ein Rundwanderweg und, das Beste, die absolut wunderbare Aussicht. Und manchmal, selten zwar, hat man Glück, und es ist richtig still. Dann lebt der Mythos, und eine leichte, angenehme Gänsehaut stellt sich ein.

 

(Textfassung aus »Der romantische Rhein« von Thomas Krämer, © Rhein-Mosel-Verlag)

 

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