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Niederwerth

 

Vor Vallendar im Rhein liegen die Inseln Niederwerth und Graswerth.

Graswerth ist als Naturschutzgebiet unbewohnt, das größere Niederwerth hingegen seit dem 8. Jahrhundert besiedelt. Somit ist es bundesweit die einzige Flussinsel mit einer Dorfgemeinde. Bis zum Bau der Brücke im Jahre 1958 war die Insel nur per Boot erreichbar.

Niederwerth wird seit dem 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt, der Kurfürst von Trier hatte hier ein Jagdhaus, den Hasenkammerhof. 1338 empfing er dort hohen Besuch, nämlich den englischen König Edward III. anlässlich des Koblenzer Fürstentages.

Schon vor dem 13. Jahrhundert lebten Beginen auf der Insel in klösterlicher Gemeinschaft, im 15. Jahrhundert kamen die Augustiner Chorherren und errichteten ein Kloster und die spätgotische Kirche. Im 16. Jahrhundert wurde die Anlage von Zisterzienserinnen übernommen, die sie bis zur Säkularisation nutzten. Sie brachten die Mütze des heiligen Bernhard als Reliquie mit.

Unbedingt sehenswert ist daher die Stiftskirche, 1474 geweiht, um die herum sich noch wenige erhaltene Reste des Kreuzganges und des Klosters finden. Der einschiffige Bau teilt sich in Laienschiff und Chor. Neben den interessanten architektonischen Elementen aber ist es vor allem die spätgotische Ausmalung, 1973 bei einer Restaurierung entdeckt, die begeistert.

Wir sehen figürliche Darstellungen der vier Evangelisten, denen vier Sibyllen und vier Engel mit den Marterwerkzeugen zugeordnet sind, und über dem südlichen Seitenaltar Bernhard von Clairvaux, dessen Mütze bis heute als Reliquie in der Kirche aufbewahrt wird. Unter den Skulpturen fesselt besonders die Madonna mit dem Kind mit Trauben von Tilman van der Burch aus der Gründungszeit der Kirche, volkstümlich »Unsere Liebe Frau vom Werth« genannt. Der Hochaltar wurde im Barock unter Verwendung von 13 Holzreliefs aus der Zeit um 1520 zusammengestellt, die dem Umkreis Hans Backoffens zugerechnet werden. Seine heutige Gestalt erhielt er im 19. Jahrhundert. Ebenfalls aus der Werkstatt Backoffens stammt die Grabplatte des Mainzer Domvikars Hermann Hellingk.

Die Sage, es habe von hier aus einen Fluchtstollen unter dem Rhein hindurch bis zum ehemaligen Kloster Besselich gegeben, hält sich hartnäckig, konnte jedoch nie bewiesen werden.

Aber auch die Insel an sich ist einen Ausflug wert. Von hier aus wird die Region mit Gemüse und Obst, besonders aber mit dem begehrten Spargel versorgt. Generationen von Kindern haben auf den ebenen Spazierwegen das Fahrradfahren erlernt, man trifft sich zu Silvester oder zu »Rhein in Flammen«, um das Feuerwerk zu bestaunen, und je nach Wasserstand bietet Niederwerth sogar einen feinen Sandstrand an der Südspitze, der im Sommer zum Verweilen lockt.

Natürlich lässt sich hier auch gut speisen, und Ferienwohnungen sind vorhanden. Reif für die Insel?

 

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