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Lahnstein

 

Am Mündungsort der Lahn in den Rhein liegt die Stadt Lahnstein.

Ihre Geschichte reicht weit zurück. Schon für die jüngere Steinzeit (4000 bis 1800 v. Chr.) belegen Funde eine Besiedelung, fortgesetzt über die Bronzezeit und Eisenzeit. Um 370 n. Chr. wurde aus strategischen Gründen ein römischer Burgus an der Lahnmündung errichtet. Von diesem »domus fortis supra Lonetam«, befestigtes Haus über der Lahn, leitet sich der Stadtname ab.

Anfang des 10. Jahrhunderts fiel der fränkische Salhof im heutigen Oberlahnstein an das Erzstift Mainz, 1018 das Königsgut Niederlahnstein an das Erzstift Trier, durch Zukäufe bis zum Jahre 1256 wurde die Lahn zur Grenze zwischen den Bistümern Trier und Mainz.

Schon 1220 belehnte Friedrich II. den Mainzer Erzbischof mit dem Silberbergwerk in Friedrichssegen, zwischen 1240 und 1245 folgte zum Schutz des Mainzer Territoriums die Errichtung der Burg Lahneck, 1298 die einer weiteren Zollburg direkt am Rhein.

Seit dem 9. Januar 1324 besitzt Oberlahnstein das Stadt- und Marktrecht, verliehen von König Ludwig dem Bayern. In der Folge wurde die Stadt stark befestigt, sie erhielt eine zweifache Stadtmauer mit Gräben und 16 Türmen sowie einer weiteren Burganlage.

1330 wurden das Hospital und die Hospitalkapelle St. Jakobus errichtet. Zwei Jahre später gelang es dem Erzbischof und Kurfürsten Balduin von Trier, seinerseits das Stadtrecht für Niederlahnstein zu erhalten. 1348 entstand so ein Trierer Zollturm an der Lahn.

Zweimal, 1338 und 1400 spielte Lahnstein eine Rolle in der »großen Weltgeschichte«: am 15.07.1338 beschlossen die Kurfürsten, dass jeder von ihnen gewählte König gleichzeitig rechtmäßiger deutscher Kaiser sei, mit oder ohne Zustimmung des Papstes. »Kurverein zu Rense« heißt der Beschluss wegen seiner Verkündigung in Rhens, gefasst wurde er aber in Lahnstein. Drastisch auch das zweite Ereignis: am 20.08.1400 wurde König Wenzel von Böhmen auf Beschluss der rheinischen Kurfürsten in Oberlahnstein abgesetzt.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurden auch Ober- und Niederlahnstein mehrfach durch schwedische, kaiserliche, französische und hessische Truppen besetzt, im Jahre 1688 folgte die endgültige Zerstörung von Burg Lahneck durch französische Truppen. Weitere Besetzungen erlebten die Einwohner in den Revolutionskriegen 1795–1800, diesmal durch Österreicher, Preußen, Franzosen und Russen.

Seit 1806 gehörten beide Städte zum Herzogtum Nassau. 1858 und 1862 erfolgte der Anschluss an die Nassauische Eisenbahn, 1860 die Errichtung des Rheinhafens in Oberlahnstein. 1864 wurde durch den Bau einer Eisenbahnbrücke über die Lahn der Anschluss an die linksrheinische Preußische Staatsbahn vollzogen, 1866 folgte die Annexion des Herzogtums Nassau durch das Königreich Preußen.

Nach dem 1. Weltkrieg bis 1929 französisch besetzt, im 2. Weltkrieg zu 35 % zerstört und bis 1956 zuerst amerikanisch, dann französisch, wurde 1969 durch Zusammenlegung der Städte Nieder- und Oberlahnstein die heutige Stadt Lahnstein gebildet.

Verständlich, dass eine so alte Stadt mit so bewegter Geschichte eine Menge Sehenswürdigkeiten bereithält.
Deutlich sichtbar schon von fern ist Burg Lahneck. Erbaut wurde der Kernbereich mit dem Bergfried bis 1245 als Burg der Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz zum Schutz ihres nördlichsten Besitzes. Die äußeren Verteidigungsanlagen kamen im 15. Jahrhundert dazu. Im dreißig jährigen Krieg durch die Schweden stark beschädigt, wurde sie 1688 durch die Franzosen endgültig zur Ruine. Der fünfeckige Bergfried ist 29 Meter hoch. Er inspirierte Goethe im Jahre 1774 zu seinem Gedicht »Geistes-Gruß«, wenn man so will ist er damit der eigentliche Erfinder der Rheinromantik.


Johann Wolfgang von Goethe 

Geistes-Gruß (1774)


Hoch auf dem Turme steht

Des Helden edler Geist,

Der, wie das Schiff vorübergeht,

Es wohl zu fahren heißt.


Sieh, diese Sehne war so stark,

Dies Herz so fest und wild.

Die Knochen voll von Rittermark,

Der Becher angefüllt;


Mein halbes Leben stürmt ich fort,

Verdehnt die Hälft in Ruh.

Und du, du Menschen-Schifflein dort,

Fahr immer, immer zu!





Ab 1852 wurde Burg Lahneck durch ihren neuen Besitzer Morartry im Stil englischer Gotik wieder aufgebaut. Die kreuzförmige Kapelle enthält noch den originalen gotischen Chor und Glasmalereien aus dem 15. Jahrhundert, sowie eine Ablassurkunde von 1322, in Avignon erlassen. Der Wiederaufbau wurde erst im Jahre 1937 abgeschlossen. Die Burg befindet sich auch heute noch in Privatbesitz und kann in der Zeit von Ostern bis Ende Oktober täglich besichtigt werden. Zu sehen sind die Burgküche mit dem 12 Meter tiefen Brunnen, Gemälde und Plastiken aus dem 15. –18. Jahrhundert mit barockem Mobiliar, im Rittersaal eine Sammlung von Waffen und Rüstungen und ein herrliches, dreigeschossiges Puppenhaus mit allem Zubehör aus dem 19. Jahrhundert.

Auf der Burg finden in den Monaten August und September Freilichtspiele statt.

Der Salhof, ein fränkischer Königshof, wurde im Jahre 977 zuerst urkundlich erwähnt. Die ältesten Bauteile des heutigen Gebäudes stammen aus dem 12. Jahrhundert. Im Jahre 1686 durch Johann Freiherr vom und zum Stein barock umgestaltet und erweitert, dient es heute der Stadtverwaltung.

Gleich daneben finden sich Reste eines Wehrganges und der sogenannte Hexenturm, Teile der alten Stadtbefestigung von 1324. Im Turm befindet sich seit 1880 das Lahnsteiner Heimatmuseum, unbedingt sehenswert. Es enthält Funde und Objekte von der vorgeschichtlichen Zeit bis ins 19. Jahrhundert. Und der Rundumblick vom 26 Meter hohen Turm ist auch nicht zu verachten.

Die Pfarrkirche St. Martinus ist in ihren ältesten Teilen romanisch, Chor und Sakristei stammen aus dem 14. Jahrhundert, das Mittelschiff aus dem 18., die Seitenschiffe kamen Ende des 19. Jahrhunderts dazu.
Das Alte Rathaus, ein herrlicher rheinischer Fachwerkbau, stammt aus dem Jahre 1507. Im Erdgeschoss lohnt der gotische Laubengang, der ehemals den Markt und das Gericht aufnahm. Der Besichtigung harren Reste mittelalterlicher Malereien und eine barocke Stuckdecke. Heute ist es Sitz des Stadtarchives. Gegenüber der Alte Markt mit Marktbrunnen, hier liegt der Eingang zur Hospitalkapelle St. Jakob aus dem 14. Jahrhundert, heute ein beliebter Veranstaltungsort für Konzerte und Lesungen. Es bietet sich an, hier den Durchgang zum Rhein zu nehmen. Man kommt durch das Kihrstor in die Rheinanlagen. Von hier sind es nur wenige Schritte zum Martinsschloss, das als Zollburg der Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz im Jahre 1298 erbaut wurde. Der 28 Meter hohe gotische Hauptturm war in die Stadtbefestigung integriert. Er entstand zwischen 1390 und 1416, seine Mansardenhaube kam während des barocken Umbaus hinzu. Seine heutige Form erhielt das Gebäude durch die Errichtung des Nordflügels im 14. Jahrhundert und des Südflügels mit gotischem Saal im 15. Jahrhundert. Der Mittelbau entstand 1720 unter Kurfürst Franz von Schönborn. Bemerkenswert ist das Portal mit Fallgatter und dem Gusserker mit Wappenschmuck aus dem Jahr 1395. Heute befindet sich der Gebäudekomplex in Privatbesitz.

Das Johanniskloster in Niederlahnstein beherbergt ein bekanntes Gymnasium. Die romanische Basilika wurde um das Jahr 1130 erbaut, an Stelle des kleineren, ottonischen Vorgängerbaues aus der Mitte des 10. Jahrhunderts. Nach einem Brand 1794 verfielen die Gebäude, 1844 stürzte der Ostturm ein, der Wiederaufbau erfolgte ab 1856. Dank der behutsamen Restaurierung lohnt der Besuch des ruhigen, harmonischen Kirchenraumes durchaus.

Das Wirtshaus an der Lahn gleich neben der Lahnbrücke verdankt seine Berühmtheit dem Besuch Goethes mit Lavater und Basedow am 18. Juli 1774. Es ist ein schöner Fachwerkbau mit steinernem Erdgeschoss, erbaut 1697. Der runde Anbau mit geschweiftem Dach und Laterne stammt aus dem Jahre 1741.

Auf dem Allerheiligenberg steht, Burg Lahneck gegenüber, die gleichnamige Kapelle. Ursprünglich 1671 erbaut, stammt die heutige, neugotische Gestaltung aus den Jahren 1895 bis 1901. Sehenswert sind die Aussenanlagen mit Kreuzigungsgruppe und heiligem Grab von Caspar Weis, mindestens ebenso sehr aber die herrliche Aussicht in das Rhein- und Lahntal.

Von Mai bis September werden mittwochs um 14 Uhr sowie für Gruppen nach Vereinbarung Stadtführungen angeboten, die man nutzen sollte. Gut zwei Stunden lang kann man auch sonst nicht zugängliche Sehenswürdigkeiten besichtigen. Die Teilnahme ist kostenlos. 




Für Wanderfreunde finden dienstags um 10 Uhr geführte Wanderungen in die Umgebung statt, Anmeldung siehe oben. Gut wandern lässt sich auch im Stadtteil Lahnstein auf der Höhe, rund um das Kurzentrum, das auch noch eine Menge anderer Freizeitangebote bereithält.

Ein mehr als empfehlenswerter Ausflug führt das Lahntal aufwärts. Im alten Bergbauort Friedrichssegen lohnt ein Stopp: hier lässt sich Bergbaugeschichte erwandern. Seit dem Jahr 2000 gibt es das Bergbaumuseum gleich bei der Brücke, mit viel Mühe und Engagement errichtet und bestückt vom »Arbeitskreis Grube Friedrichssegen«. Hier finden sich eine große Zahl alter Grubenbilder und ein über sieben Meter langes Modell des Friedrichssegener Tals mit Gebäuden und Werkanlagen aus der Zeit um 1900, und natürlich über 40 Exponate der berühmten Friedrichssegener Mineralien.

Ansprechpartner: Hans-Günther Christ, Telefon 02621/2841

Öffnungszeiten: Dienstag von 14–17 Uhr sowie nach Vereinbarung, von November bis März nur nach Vereinbarung.



Bei einer Wanderung durch das reich bewaldete, ruhige Friedrichssegener Tal weisen Hinweistafeln mit Bildern und Wandertipps den Weg zu den ehemaligen Anlagen.

Aber in Friedrichssegen wurde nicht nur aus der Tiefe Schätze gefördert. Der Schriftsteller, »Biosoph« und Querdenker Ernst Fuhrmann kam auf Einladung des Mäzens Paul Multhaupt 1928 mit seiner Frau, der Dichterin Elisabeth Paulsen hierher und gründete den Folkwang-Auriga-Verlag. Er beeinflusste mit Aufträgen für Pflanzen- und Mineralienaufnahmen maßgeblich die Fotografie der Neuen Sachlichkeit (Renger-Patzsch), und seine hier erschienene Werksausgabe in 10 Bänden fand die Unterstützung u. a. von Pannwitz, Ziegler, Däubler, Paquet, Nolde, Döblin und Sibelius. Sein enormes Werk harrt der Wiederentdeckung.

Auch die Anwesenheit der Maler Campendonk und Räderscheidt ist belegt.



Unbedingt sehenswert ist das zwölf Kilometer entfernte, heute etwas verschlafen wirkende, früher mondäne Kurbad Bad Ems. Hier lässt es sich gut spazieren gehen, eine schöne Abwechslung ist die steile Fahrt mit der Kurwaldbahn. Sehenswert sind der Marmorsaal im Kurhaus und die russische Kirche auf der anderen Lahnseite. Zu den illustren Gästen vergangener Epochen zählten neben der Zarenfamilie, Dostojewskij und Jacques Offenbach, Kaiser Wilhelm I., der hier die berühmt gewordene Emser Depesche empfing, Auslöser des Krieges 1870/71. Ein kleines Täfelchen markiert den Ort. Glücksrittern sei die Spielbank empfohlen.

Auch im weiteren Verlauf des Tales sind alte Orte mit historischen Gebäuden zu entdecken. Oder wie wäre es mit einer Kanutour auf dem ruhig dahinströmenden Fluss?






(Textfassung aus »Der romantische Rhein« von Thomas Krämer, ©Rhein-Mosel-Verlag)


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